Bürkle investiert aktuell in die Modernisierung und in ein neues Werk am Standort Freudenstadt. Was sind die Gründe dafür und wie ist der Zeitplan?
Mit der umfassenden Modernisierung eines Werkteils sowie dem Neubau auf dem Firmengelände setzen wir ein klares Zeichen für die langfristige Stärkung unseres Stammsitzes. Wir schaffen die baulichen und technologischen Voraussetzungen, um die Anforderungen der globalen Märkte auch künftig erfolgreich bedienen zu können. Die Bauarbeiten beginnen demnächst, die Fertigstellung ist für Ende 2027 geplant. Mit der Investition in einstelliger Millionenhöhe möchten wir unseren 170 Mitarbeitern am Standort modernste und zukunftssichere Arbeitsplätze bieten.
Gab es auch die Überlegung, auf der grünen Wiese zu bauen?
Diese Möglichkeit hat zu Beginn unserer Gespräche durchaus eine Rolle gespielt. Wir haben uns aber schließlich für eine Renovierung des bestehenden Standorts entschieden. Was übrigens auch unsere Mitarbeiter freut, die im gewohnten Umfeld bleiben können. Wir werden das bestehende Werk auf dem Betriebsgelände kernsanieren und mit modernster Technik ausstatten. Das neue Werk wird direkt daran angrenzen. Dadurch entsteht eine Einheit mit sehr kurzen Wegen, weshalb wir auch einen Produktivitätszuwachs generieren.
Wie fügt sich die Investition in die Gesamtstrategie von Bürkle mit Baumaßnahmen an verschiedenen Standorten rund um den Globus ein?
In den letzten Jahren haben wir uns stark auf die Erweiterung unserer Standorte außerhalb Deutschlands bzw. Europas konzentriert. Wir hatten zum Beispiel Neubauprojekte in China und Ungarn, um die wir uns kümmern mussten und die die Ressourcen gebunden haben. Unser Heimat-Standort wartete dagegen schon länger auf eine Modernisierung, weshalb wir jetzt einen großen Schritt gehen.
Wie entwickeln sich die weltweiten Märkte im Bereich Möbelproduktion aus Sicht von Bürkle?
Während Corona wurde in Asien sehr viel investiert. Mittlerweile sind dort in der Plattenbearbeitung Überkapazitäten vorhanden – und die Chinesen beliefern mit ihren Möbeln die restlichen asiatischen Märkte. Auch die Importe nach Europa steigen rasant. Hinzu kommen die geopolitischen Entwicklungen mit dem Krieg in der Ukraine, der Zollpolitik in den USA sowie Post-Corona-Effekte beim Möbelkonsum. Das alles drückt natürlich auf die Stimmung. Wir erleben im Möbelbereich derzeit eine weltweite Rezession.
Gibt es Märkte, die noch vergleichsweise gut laufen?
Südeuropa entwickelt sich positiver als andere Regionen in Europa. Insbesondere deshalb, weil unsere südeuropäischen Kunden häufig Exportmärkte in Nordafrika beliefern. Dort sehen wir Wachstum, allerdings auf einem niedrigen Niveau. Vergleichsweise gut läuft es auch im Mittleren Osten, wo verstärkte Investitionen stattfinden. Das Ziel dieser Investitionen ist es, den Import von Möbeln und Bauprodukten zu reduzieren und vor Ort zu produzieren. Potenzial sehe ich darüber hinaus in Osteuropa, in den an die Ukraine angrenzenden Ländern. Sollte der Krieg hoffentlich bald beendet werden, geht es an den Wiederaufbau des Landes, was der Bau- und Möbelindustrie sicherlich einen Schub geben dürfte.
Deutschland gilt weiterhin als Sorgenkind unter den Märkten. Sehen Sie das genauso? Und welche Rolle spielt der Heimatmarkt für Bürkle?
Unser Marktanteil in Deutschland ist mit der höchste, allerdings ist die Abhängigkeit Bürkle’s vom deutschen Markt gering. Wir waren schon immer stark exportorientiert. Im Moment sehen wir in Deutschland wenig positive Signale – mit Ausnahme der Türenindustrie. Im Bereich der Neubau-Immobilien ist unser Land sogar eines der Schlusslichter in Europa.
Bürkle treibt derzeit den Ausbau des globalen Händler-Netzwerks voran. Was haben Sie genau geplant und welche Länder haben Sie im Auge?
Wir sind vor rund zwei Jahren in Nordamerika mit einer Neuaufstellung des Vertriebsteams gestartet. Unser CEO für diese Region hat seither ein flächendeckendes Händler-Netz aufgebaut – von Kanada über die USA bis Mexiko. Die Landkarte steht – jetzt muss das Ganze ausgerollt werden. Mit unserem „Easy to sell“-Paket soll es Händlern einfach gemacht werden, das doch manchmal komplexe Bürkle-Produktportfolio zu verkaufen. Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir dadurch einen großen Schritt nach vorne machen können. Ähnlich setzen wir das jetzt in Europa um. In der Schweiz und in Benelux arbeiten wir sehr erfolgreich mit neuen Partnern zusammen. Zudem haben wir in Spanien einen eigenen Vertriebsmitarbeiter eingestellt. Auch im Mittleren Osten verstärken wir unser bestehendes Team. Darüber hinaus wollen wir dieses Jahr noch weitere Länder in Südeuropa und Nordafrika erschließen.
Welche Rolle spielt das Handwerk für Bürkle und was erwarten Sie von der Holz-Handwerk in Nürnberg?
Das Handwerk wird für uns immer wichtiger. Vor zwei Jahren haben wir damit begonnen, unsere Produktpalette verstärkt auf die Bedarfe von Schreinern und Tischlern auszurichten. Dieser Prozess ist nun abgeschlossen, und wir freuen uns sehr, unser weiterentwickeltes Portfolio in Nürnberg erstmals dem Fachpublikum vorstellen zu dürfen. Die Holz-Handwerk ist für uns die ideale Messe, um direkt mit dem Handwerk praxisnah und auf Augenhöhe ins Gespräch zu kommen.
Was wird Bürkle auf der Holz-Handwerk alles präsentieren?
Im Mittelpunkt des Messeauftritts stehen leistungsstarke und zugleich wirtschaftliche Lackiersysteme. Dazu zählen die Spritzlackiermaschine „Robus Eco“ sowie das Walzen-UV-System „KA“. Neben der live-vorgeführten Lackiertechnik zeigen wir auch unsere PUR- und Leimauftragsmaschinen sowie ausgewählte Durchlaufpressensysteme, die speziell auf kleinere und mittlere Kapazitäten ausgelegt sind. Damit decken wir ein breites Anwendungsspektrum von der klassischen Folien- und Furnierbeschichtung bis hin zu anspruchsvollen Lackoberflächenlösungen ab.