Große Schritte in die Zukunft

CEO Jürgen Schröer im Exklusiv-Interview

Bürkle investiert aktuell kräftig in Freudenstadt. Eine einstellige Millionensumme fließt in die Modernisierung des Standorts und in ein neues Werk. Im Exklusiv-Interview erklärt CEO Jürgen Schröer die Hintergründe. Weitere Themen des Gesprächs sind die vergleichsweise gute Auftragslage des Anlagenspezialisten, der Ausbau des globalen Händler-Netzwerks und der verstärkte Fokus auf die Zielgruppe der Schreiner und Tischler. Für Letztere hat Bürkle sein Produktportfolio deutlich erweitert, ohne dabei die Kernklientel der Industriekunden zu vernachlässigen.

Bürkle investiert aktuell kräftig in Freudenstadt. Eine einstellige Millionensumme fließt in die Modernisierung des Standorts und in ein neues Werk. Im Exklusiv-Interview erklärt CEO Jürgen Schröer die Hintergründe. Weitere Themen des Gesprächs sind die vergleichsweise gute Auftragslage des Anlagenspezialisten, der Ausbau des globalen Händler-Netzwerks und der verstärkte Fokus auf die Zielgruppe der Schreiner und Tischler. Für Letztere hat Bürkle sein Produktportfolio deutlich erweitert, ohne dabei die Kernklientel der Industriekunden zu vernachlässigen.

Jürgen Schröer, CEO der Robert Bürkle GmbH Foto: BÜRKLE

Herr Schröer, auf welche Themen werden Sie von Ihren Kunden derzeit am häufigsten angesprochen?

Aktuell steht das Thema Retrofit an erster Stelle. Viele Bürkle-Kunden sind aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Situation verunsichert und möchten im Moment nicht in Neuanlagen investieren. Stattdessen modernisieren sie ihre bestehenden Anlagen im Rahmen eines Retrofits. Auch die Automatisierung gewinnt im Zuge des Arbeitskräftemangels weiter an Bedeutung. Was wir ebenfalls beobachten, sind Investitionen in nachhaltige Technologien. Die damit verbundene Kostensenkung durch einen geringeren Verbrauch von Energie, Lacken oder Materialien macht die Unternehmen wettbewerbsfähiger.

 

Wie sieht es speziell im Bereich der Anlagen für die Möbel-, Fußboden- und Türenindustrie aus?

Alles, was konsumgetrieben ist, bleibt schwierig. Dazu gehört natürlich die Möbelindustrie. Kleine Nischenanbieter im Möbelbereich investieren noch am ehesten, weil sie ihre Stammkundschaft beliefern – ebenso die großen Player. Das sind aber überwiegend strategische Investitionen, entweder wegen neuen Produkten, technischen Innovationen oder regionalen Markterweiterungen. Bei den mittelgroßen Möbelherstellern gibt es dagegen eine starke, anhaltende Investitionszurückhaltung. Die Fußbodenindustrie bewegt sich auf dem gleichen schwachen Niveau wie die letzten Jahre. Im Türen- und Dämmstoffmarkt sehen wir seit Mitte 2024 eine Erholung, was sehr erfreulich ist. Grund ist der verstärkte Neubau von Häusern und Wohnungen in Europa. Leider ist dieser Trend noch nicht in Deutschland angekommen.

 

Bürkle profitiert von der starken Nachfrage nach Laminieranlagen für die Herstellung von Leiterplatten. Geben Sie uns doch mal einen kleinen Einblick in diesen Boom-Markt und erklären Sie, was das Ganze mit KI zu tun hat.

Die Entwicklung und Verbreitung von KI schreitet in rasantem Tempo voran. KI braucht Rechenzentren, Rechenzentren brauchen Leiterplatten – und Bürkle beliefert nicht nur die Holz- und Möbelindustrie, sondern auch Leiterplattenhersteller mit Anlagen. In diesem Fall mit Laminieranlagen. Schauen Sie einfach mal, wie häufig die Menschen vor zwei Jahren ChatGPT genutzt haben – und wie häufig sie es heute tun. Die Anwendung solcher KI-Tools steigt erheblich. Und dafür benötigt man immer mehr Rechenkapazitäten.

 

Die gerade massiv ausgebaut werden.

Richtig. Zumal KI nicht nur bei privaten Anwendern, sondern auch bei Unternehmen eine immer größere Rolle spielt. Die Ausstattung von Rechenzentren wird von wenigen Herstellern dominiert. Diese Unternehmen sind sehr innovativ unterwegs und treiben die Chip- und Leiterplattenhersteller mit immer neuen Entwicklungen vor sich her. Wir haben unseren Marktanteil im Bereich Laminieranlagen für die Leiterplattenproduktion deutlich ausgebaut – speziell in Asien. Heute sind über 50 Prozent der wichtigsten Zulieferer in diesem Bereich unsere Kunden. Dadurch ist der Anteil des Leiterplatten-Segments am Gesamtumsatz von Bürkle von 20 bis 30 Prozent auf über 50 Prozent gestiegen.

 

Spiegelt sich das auch in steigenden Umsätzen wider?

Die Zahlen für 2025 sind noch nicht veröffentlicht (Stand Ende Februar). Aber ja, das Leiterplatten-Segment trägt zu steigenden Umsätzen bei. Für 2026 erwarten wir für Bürkle insgesamt ein Rekordjahr mit einem Umsatz in Höhe von rund 200 Millionen Euro.

 

Wie man sieht, bedient Bürkle sehr unterschiedliche Kundenbranchen. Wie wichtig ist diese breite Aufstellung für das Unternehmen?

Sie gehört zur DNA von Bürkle. Wir kommen aus dem Bereich Pressen für die Holzverarbeitung. Der Gedanke der Unternehmensgründer war immer: „In welchen Segmenten können wir unsere Produkte sonst noch überall einsetzen?“ So ist zum Beispiel der Photovoltaik-Sektor aus dem Bereich Türenpressen entstanden. Die Pressen wurden für die Zielgruppe der Photovoltaik-Branche entsprechend weiterentwickelt und angepasst. Aus dem Bereich Leiterplatten ist wiederum der Bereich Plastikkarten entstanden. So wachsen wir Schritt für Schritt organisch in neue Branchen hinein und suchen kontinuierlich nach neuen Märkten mit Potenzial.

 

Können Sie sich auch den Zukauf weiterer Produktsegmente vorstellen?

Natürlich können wir uns auch Zukäufe vorstellen. Zuletzt hat Bürkle im Jahr 2020 SMB-David übernommen und damit das Portfolio für die Dämmplattenindustrie erweitert.

 

Im Holzbereich wuchs das Portfolio ebenfalls: Seit 2016 bietet Bürkle auch Spritzlackieranlagen an. Wie heben Sie sich hier von Wettbewerbern ab, die schon länger am Markt tätig sind?

Wir haben uns beim Spritzlackieren bewusst im mittleren Segment bei den Einstiegsmaschinen positioniert. Bürkle adressiert ambitionierte Handwerksbetriebe, die mit ihren Ansprüchen wachsen. Ein Beispiel ist unsere modular aufgebaute Einstiegsmaschine „Robus Eco“, die über drei getrennte Farbkreisläufe verfügt. Das heißt, wenn Farbwechsel schneller umgesetzt werden müssen, weil zum Beispiel das Volumen steigt, kann das innerhalb der Maschine angepasst werden. Automatisierungselemente lassen sich zudem mit unseren Plug-&-Play-Systemen erweitern. Auf der anderen Seite haben wir durch das Engineering von großen Anlagen die Möglichkeit, das Spritzlackieren auch auf industriellem Niveau anzubieten. Das schaffen viele Marktbegleiter nur zusammen mit Partnern.

Zur Holz-Handwerk zeigt Bürkle sein Portfolio für das Handwerk. Dazu zählen etwa die Spritzlackiermaschine „Robus Eco“ sowie das Walzen-UV-System „KA“.

Bürkle investiert aktuell in die Modernisierung und in ein neues Werk am Standort Freudenstadt. Was sind die Gründe dafür und wie ist der Zeitplan?

Mit der umfassenden Modernisierung eines Werkteils sowie dem Neubau auf dem Firmengelände setzen wir ein klares Zeichen für die langfristige Stärkung unseres Stammsitzes. Wir schaffen die baulichen und technologischen Voraussetzungen, um die Anforderungen der globalen Märkte auch künftig erfolgreich bedienen zu können. Die Bauarbeiten beginnen demnächst, die Fertigstellung ist für Ende 2027 geplant. Mit der Investition in einstelliger Millionenhöhe möchten wir unseren 170 Mitarbeitern am Standort modernste und zukunftssichere Arbeitsplätze bieten.

 

Gab es auch die Überlegung, auf der grünen Wiese zu bauen?

Diese Möglichkeit hat zu Beginn unserer Gespräche durchaus eine Rolle gespielt. Wir haben uns aber schließlich für eine Renovierung des bestehenden Standorts entschieden. Was übrigens auch unsere Mitarbeiter freut, die im gewohnten Umfeld bleiben können. Wir werden das bestehende Werk auf dem Betriebsgelände kernsanieren und mit modernster Technik ausstatten. Das neue Werk wird direkt daran angrenzen. Dadurch entsteht eine Einheit mit sehr kurzen Wegen, weshalb wir auch einen Produktivitätszuwachs generieren.

 

Wie fügt sich die Investition in die Gesamtstrategie von Bürkle mit Baumaßnahmen an verschiedenen Standorten rund um den Globus ein?

In den letzten Jahren haben wir uns stark auf die Erweiterung unserer Standorte außerhalb Deutschlands bzw. Europas konzentriert. Wir hatten zum Beispiel Neubauprojekte in China und Ungarn, um die wir uns kümmern mussten und die die Ressourcen gebunden haben. Unser Heimat-Standort wartete dagegen schon länger auf eine Modernisierung, weshalb wir jetzt einen großen Schritt gehen.

 

Wie entwickeln sich die weltweiten Märkte im Bereich Möbelproduktion aus Sicht von Bürkle?

Während Corona wurde in Asien sehr viel investiert. Mittlerweile sind dort in der Plattenbearbeitung Überkapazitäten vorhanden – und die Chinesen beliefern mit ihren Möbeln die restlichen asiatischen Märkte. Auch die Importe nach Europa steigen rasant. Hinzu kommen die geopolitischen Entwicklungen mit dem Krieg in der Ukraine, der Zollpolitik in den USA sowie Post-Corona-Effekte beim Möbelkonsum. Das alles drückt natürlich auf die Stimmung. Wir erleben im Möbelbereich derzeit eine weltweite Rezession.

 

Gibt es Märkte, die noch vergleichsweise gut laufen?

Südeuropa entwickelt sich positiver als andere Regionen in Europa. Insbesondere deshalb, weil unsere südeuropäischen Kunden häufig Exportmärkte in Nordafrika beliefern. Dort sehen wir Wachstum, allerdings auf einem niedrigen Niveau. Vergleichsweise gut läuft es auch im Mittleren Osten, wo verstärkte Investitionen stattfinden. Das Ziel dieser Investitionen ist es, den Import von Möbeln und Bauprodukten zu reduzieren und vor Ort zu produzieren. Potenzial sehe ich darüber hinaus in Osteuropa, in den an die Ukraine angrenzenden Ländern. Sollte der Krieg hoffentlich bald beendet werden, geht es an den Wiederaufbau des Landes, was der Bau- und Möbelindustrie sicherlich einen Schub geben dürfte.

 

Deutschland gilt weiterhin als Sorgenkind unter den Märkten. Sehen Sie das genauso? Und welche Rolle spielt der Heimatmarkt für Bürkle?

Unser Marktanteil in Deutschland ist mit der höchste, allerdings ist die Abhängigkeit Bürkle’s vom deutschen Markt gering. Wir waren schon immer stark exportorientiert. Im Moment sehen wir in Deutschland wenig positive Signale – mit Ausnahme der Türenindustrie. Im Bereich der Neubau-Immobilien ist unser Land sogar eines der Schlusslichter in Europa.

 

Bürkle treibt derzeit den Ausbau des globalen Händler-Netzwerks voran. Was haben Sie genau geplant und welche Länder haben Sie im Auge?

Wir sind vor rund zwei Jahren in Nordamerika mit einer Neuaufstellung des Vertriebsteams gestartet. Unser CEO für diese Region hat seither ein flächendeckendes Händler-Netz aufgebaut – von Kanada über die USA bis Mexiko. Die Landkarte steht – jetzt muss das Ganze ausgerollt werden. Mit unserem „Easy to sell“-Paket soll es Händlern einfach gemacht werden, das doch manchmal komplexe Bürkle-Produktportfolio zu verkaufen. Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir dadurch einen großen Schritt nach vorne machen können. Ähnlich setzen wir das jetzt in Europa um. In der Schweiz und in Benelux arbeiten wir sehr erfolgreich mit neuen Partnern zusammen. Zudem haben wir in Spanien einen eigenen Vertriebsmitarbeiter eingestellt. Auch im Mittleren Osten verstärken wir unser bestehendes Team. Darüber hinaus wollen wir dieses Jahr noch weitere Länder in Südeuropa und Nordafrika erschließen.

 

Welche Rolle spielt das Handwerk für Bürkle und was erwarten Sie von der Holz-Handwerk in Nürnberg?

Das Handwerk wird für uns immer wichtiger. Vor zwei Jahren haben wir damit begonnen, unsere Produktpalette verstärkt auf die Bedarfe von Schreinern und Tischlern auszurichten. Dieser Prozess ist nun abgeschlossen, und wir freuen uns sehr, unser weiterentwickeltes Portfolio in Nürnberg erstmals dem Fachpublikum vorstellen zu dürfen. Die Holz-Handwerk ist für uns die ideale Messe, um direkt mit dem Handwerk praxisnah und auf Augenhöhe ins Gespräch zu kommen.

 

Was wird Bürkle auf der Holz-Handwerk alles präsentieren?

Im Mittelpunkt des Messeauftritts stehen leistungsstarke und zugleich wirtschaftliche Lackiersysteme. Dazu zählen die Spritzlackiermaschine „Robus Eco“ sowie das Walzen-UV-System „KA“. Neben der live-vorgeführten Lackiertechnik zeigen wir auch unsere PUR- und Leimauftragsmaschinen sowie ausgewählte Durchlaufpressensysteme, die speziell auf kleinere und mittlere Kapazitäten ausgelegt sind. Damit decken wir ein breites Anwendungsspektrum von der klassischen Folien- und Furnierbeschichtung bis hin zu anspruchsvollen Lackoberflächenlösungen ab.

 

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