Trotz begrenzter Platzverhältnisse konnten wir eine Lösung realisieren, die mehr Kapazität, höhere Prozessstabilität und maximale Flexibilität vereint.
Karl-Heinz Gude, BÜRKLE

IKEA Industry Sopron zählt zu den wichtigsten Produktionsstandorten der IKEA-Gruppe in Europa. Am Standort im ungarischen Sopron produzieren rund 900 Mitarbeitende auf einer Produktionsfläche von über 86.000 Quadratmetern Küchenfronten sowie Fronten und Türen für Wohn- und Schlafzimmermöbel. Mit einer Kapazität von bis zu 70.000 Möbelfronten pro Woche setzt das Werk auf moderne Fertigungstechnologien, um höchste Qualitätsstandards bei gleichzeitig effizientem Ressourceneinsatz zu gewährleisten. Dabei spielen kontinuierliche Verbesserungen in den Bereichen Produktivität, Arbeitssicherheit und Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle.

Vor diesem Hintergrund stand IKEA Industry Sopron vor der Herausforderung, eine bestehende Lackierlinie aus dem Jahr 2008 zukunftssicher weiterzuentwickeln. Die vorhandene Beschickungs- und Abstapellösung konnte die steigenden Anforderungen an Leistung, Flexibilität und Prozesssicherheit nicht mehr vollständig erfüllen. Insbesondere bei der Verarbeitung von strukturierten Möbelplatten sowie unterschiedlichen Produktformaten kam es immer wieder zu Einschränkungen im Materialfluss. Zudem führten Produktwechsel regelmäßig zu Stillstandszeiten, da die Anlage zunächst vollständig leergefahren werden musste. Gleichzeitig bestand der Wunsch, die Linienleistung zu erhöhen und die Qualität der Oberflächenbearbeitung weiter zu verbessern.

Informationen zum Kunden
IKEA Industry Sopron ist einer der größten und modernsten Produktionsstandorte der IKEA Industry Gruppe in Europa. Das Werk wurde 1992 gegründet und beschäftigt heute rund 900 Mitarbeitende auf einer Produktionsfläche von mehr als 86.000 m². Als wichtiger Lieferant für den internationalen IKEA-Markt produziert der Standort vor allem Küchenfronten sowie Fronten und Türen für Wohn- und Schlafzimmermöbel. Darüber hinaus werden auch Tische gefertigt. Mit einer Produktionskapazität von bis zu 70.000 Möbelfronten pro Woche setzt IKEA Industry Sopron auf moderne Fertigungstechnologien, kontinuierliche Prozessoptimierung und einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen. Qualität, Arbeitssicherheit und die stetige Weiterentwicklung der Produktion stehen dabei im Mittelpunkt.


Gemeinsam mit IKEA Industry entwickelte BÜRKLE deshalb ein umfassendes Retrofit- und Automatisierungskonzept für die bestehende Lackierlinie. Herzstück der Lösung ist eine neue hochperformante Beschickungs- und Abstapelautomatisierung auf Basis eines Doppelportalsystems. Die Anlage übernimmt die Werkstücke aus den angelieferten Stapeln, richtet diese automatisch aus und spreizt sie während des Transports gezielt auf. Dadurch entsteht der notwendige Abstand zwischen den einzelnen Bauteilen, um eine gleichmäßige Lackierung und Bearbeitung aller Kanten und Oberflächen zu gewährleisten. Gleichzeitig wurde die Lösung speziell für die Verarbeitung anspruchsvoller strukturierter Möbelplatten ausgelegt. Trotz der deutlich erweiterten Funktionalität gelang es, die gesamte Automatisierung innerhalb des vorhandenen Platzangebots der bestehenden Produktionslinie zu integrieren.

Ergänzend dazu implementierte BÜRKLE eine durchgängige Produktverfolgung innerhalb der Gesamtanlage. Dadurch kann jede Platte jederzeit eindeutig identifiziert und verfolgt werden. Produktwechsel lassen sich nun ohne vollständiges Leerfahren der Linie durchführen. Unterschiedliche Werkstückdicken können direkt nacheinander verarbeitet werden, während sich die beteiligten Maschinen automatisch an die jeweiligen Parameter anpassen. Dies erhöht die Flexibilität der Produktion erheblich und reduziert unproduktive Stillstandszeiten.

Der Erfolg des Projekts führte dazu, dass IKEA Industry einen weiteren Automatisierungsschritt beauftragte. In einem nachgelagerten Projekt wird derzeit die bislang manuell durchgeführte Stapelbildung vor der Lackierlinie automatisiert. Zwei Roboter übernehmen künftig die Bildung komplexer Stapelbilder aus den einzelnen Werkstücken und schaffen damit die Voraussetzung für einen vollständig automatisierten Materialfluss bis in die Lackierlinie hinein.

Für IKEA Industry Sopron ergeben sich aus der Modernisierung zahlreiche Vorteile. Die Linienleistung konnte von zuvor zehn auf zwölf Takte gesteigert werden, was einer Kapazitätserhöhung von rund 20 Prozent entspricht. Gleichzeitig sorgt die neue Automatisierung für deutlich mehr Prozessstabilität und reduziert Störungen im laufenden Betrieb. Die verbesserte Werkstückvereinzelung erhöht die Lackierqualität, während die integrierte Produktverfolgung schnellere Produktwechsel und eine flexiblere Produktionsplanung ermöglicht. Darüber hinaus werden manuelle Tätigkeiten reduziert und die vier Mitarbeiter von ergonomisch belastenden Handlingsaufgaben entlastet. Die so freiwerdenden personellen Ressourcen sollen zukünftig für wertschöpfendere Aufgaben eingesetzt werden.

Das Projekt in Sopron zeigt exemplarisch, wie bestehende Produktionsanlagen durch gezielte Retrofit- und Automatisierungslösungen nachhaltig aufgewertet werden können. Anstatt bewährte Anlagentechnik vollständig zu ersetzen, wurde die vorhandene Infrastruktur intelligent modernisiert und an heutige Anforderungen angepasst. Für IKEA Industry bedeutet dies eine leistungsfähigere, flexiblere und zukunftssichere Produktion. Für andere Möbelhersteller und industrielle Produzenten verdeutlicht das Projekt, welches Potenzial in der Modernisierung bestehender Anlagen steckt – insbesondere dann, wenn höhere Leistung, mehr Flexibilität und eine wirtschaftliche Umsetzung gleichermaßen gefordert sind.

„Das IKEA Sopron Projekt ist ein Paradebeispiel dafür, wie sich bestehende Produktionsanlagen mit dem richtigen Automatisierungskonzept auf ein neues Leistungsniveau heben lassen. Trotz begrenzter Platzverhältnisse konnten wir eine Lösung realisieren, die mehr Kapazität, höhere Prozessstabilität und maximale Flexibilität vereint. Das Ergebnis ist eine zukunftsfähige Produktion, die den steigenden Anforderungen der Möbelindustrie gerecht wird. Dass IKEA Industry den eingeschlagenen Weg mit weiteren Automatisierungsprojekten fortsetzt, ist für uns die schönste Bestätigung des gemeinsamen Erfolgs.“ – Karl-Heinz Gude, Projektleiter Automatisierung bei BÜRKLE.