Steigende Nachfrage, begrenzte Kapazitäten und anspruchsvolle Werkstückdimensionen stellten die Lignatur AG vor neue Herausforderungen in der Oberflächenbehandlung ihrer Holzbauelemente. Gemeinsam mit BÜRKLE entstand eine durchgängige Prozesslösung aus Schleifen, Spritzlackieren, Trocknen und Handling. Das Ergebnis: höhere Produktivität, reproduzierbare Beschichtungsqualität und eine zukunftssichere Fertigung für weiteres Wachstum.
Die Lignatur AG mit Sitz in Waldstatt in der Schweiz zählt zu den führenden Anbietern innovativer Holzdecken- und Dachsysteme im deutschsprachigen Raum. Das Unternehmen entwickelt und produziert multifunktionale Tragwerkselemente aus Holz, die neben ihrer statischen Funktion gleichzeitig Anforderungen an Schall-, Brand- und Raumakustik erfüllen. Die vorgefertigten Decken- und Dachelemente kommen in Schulen, Sporthallen, Bürogebäuden sowie Wohn- und Gewerbebauten zum Einsatz und stehen für nachhaltiges Bauen mit hoher architektonischer Qualität.
Mit der steigenden Nachfrage nach ihren Holzbaulösungen nahm bei Lignatur auch der Bedarf an oberflächenbehandelten Bauteilen kontinuierlich zu. Die Lackierung der bis zu 16 Meter langen und bis zu zwei Tonnen schweren Dachelemente erfolgte bislang manuell. Gleichzeitig stellte die konventionelle Trocknung die Produktion vor erhebliche Herausforderungen. Die großformatigen Werkstücke mussten nach dem Lackauftrag zwischengelagert werden, was wertvolle Produktions- und Lagerflächen band und die Durchsatzleistung begrenzte. Ursprünglich suchte Lignatur deshalb nach einer Lösung zur Automatisierung des Trocknungsprozesses. Im Verlauf gemeinsamer Untersuchungen und Versuche zeigte sich jedoch schnell, dass eine isolierte Betrachtung der Trocknung das vorhandene Potenzial nicht ausschöpfen würde.
Stattdessen entstand die Idee, den gesamten Prozess der Oberflächenbehandlung neu zu denken und den Lackauftrag ebenfalls zu automatisieren. „Ursprünglich suchten wir lediglich nach einer Lösung für die Trocknung unserer Bauteile. Gemeinsam mit BÜRKLE haben wir dann den gesamten Prozess neu gedacht. Aus einer einzelnen Aufgabenstellung entstand ein durchgängiges Anlagenkonzept, das Schleifen, Lackieren, Trocknen und Handling intelligent miteinander verbindet. Besonders überzeugt hat uns, dass BÜRKLE nicht nur einzelne Maschinen betrachtet, sondern die gesamte Prozesskette versteht und dafür eine schlüssige Gesamtlösung entwickeln konnte. Genau diese ganzheitliche Herangehensweise war für den Erfolg des Projekts entscheidend,“ erläutert Ruedi Jud, Mitinhaber und Verwaltungsrat der Lignatur AG. Ausschlaggebend für die Zusammenarbeit waren neben dem umfassenden Know-how auch die bestehenden Referenzen von BÜRKLE.


Die realisierte Anlage verfügt über eine direkte Anbindung an die vorgelagerte Produktion mit Hochfrequenzpresse und wurde als Kreisanlage ausgeführt. Nach dem automatisierten Schleifprozess werden die Bauteile in einer ROBUSeco Spritzlackiermaschine beschichtet. Anschließend erfolgt die Trocknung über einen JET-Düsentrockner, bevor die Werkstücke einer Sichtkontrolle unterzogen und bei Bedarf weitere Lackschichten aufgetragen werden können. Um die unterschiedlichen Bauteilhöhen sicher zu beherrschen, wurde die Spritzlackiermaschine auf einer vollautomatischen Höhenverstellung installiert, der die Maschine automatisch an die jeweilige Werkstückhöhe anpasst. Zudem ermöglicht die Anlagensteuerung die zentrale Verwaltung aller Prozessparameter und die direkte Anbindung der Schleifmaschine. Farbwechsel können sogar während des laufenden Betriebs durchgeführt werden, wodurch unterschiedliche Beschichtungen innerhalb eines Bauteils wirtschaftlich realisierbar sind.
Ein weiterer wesentlicher Vorteil liegt in der reproduzierbaren Beschichtungsqualität. Bereits während der Versuche im BÜRKLE-Technikum konnte gezeigt werden, dass sich die Lackauftragsmenge präzise und grammgenau entsprechend den Vorgaben der Lackhersteller einstellen lässt. Dies spielt insbesondere bei funktionalen Beschichtungen wie Brandschutzanstrichen eine entscheidende Rolle. Im täglichen Betrieb gewährleistet die hohe Genauigkeit der Anlage eine konstante hochwertige Oberflächenqualität und schafft zusätzliche Prozesssicherheit.
Neben den technologischen Vorteilen profitiert Lignatur auch organisatorisch von der integrierten Lösung. Damit schafft das Unternehmen die Grundlage für weiteres Wachstum und kann die steigende Nachfrage nach hochwertigen, oberflächenveredelten Holzbauelementen langfristig bedienen. „Mit der neuen Anlage haben wir nicht nur unsere Kapazitäten erweitert, sondern einen wichtigen Schritt in Richtung Zukunftssicherheit gemacht. Die hohe Prozessstabilität, die präzise Steuerung des Lackauftrags und die durchgängige Verkettung der einzelnen Arbeitsschritte schaffen für uns einen echten Mehrwert im täglichen Betrieb. Rückblickend war es die richtige Entscheidung, mit BÜRKLE einen Partner zu wählen, der sowohl die Technologie als auch die Anforderungen unserer Produktion versteht und daraus eine nachhaltige Lösung entwickelt hat,“ resümiert Jud das gemeinsame Projekt.

Das Projekt bei Lignatur zeigt beispielhaft, wie durch die ganzheitliche Betrachtung von Lackierung, Trocknung und Materialfluss erhebliche Effizienzpotenziale erschlossen werden können. Statt lediglich einen einzelnen Prozessschritt zu optimieren, entstand gemeinsam mit BÜRKLE eine integrierte Lösung, die Produktivität, Qualität und Zukunftssicherheit gleichermaßen erhöht. Für Unternehmen, die vor ähnlichen Herausforderungen in der Oberflächenbehandlung stehen, verdeutlicht das Projekt, welchen Mehrwert ein durchgängiges Anlagenkonzept bieten kann – insbesondere dann, wenn anspruchsvolle Werkstückdimensionen, hohe Qualitätsanforderungen und individuelle Produktionsbedingungen aufeinandertreffen.